Mehr Platz für weniger Tiere®

Medienkonferenz 10 Jahre BärenPark
Bern und die Zukunft der Bären von Bern

Medienkonferenz 10 Jahre BärenPark, Tierpark Bern

Das wichtigste in Kürze: Alec von Graffenried, Reto Nause, Urs Berger, Ruedi Flückiger und Bernd Schildger im Interview.

"Bären gehören uns - und wir tragen Sorge zu ihnen". Unter diesem Motto feiert der BärenPark am Samstag sein 10-jähriges Bestehen als Wahrzeichen der Stadt Bern und als Touristenmagnet. Die Verbundenheit von Bern mit seinem Wappentier hat eine traditionsreiche Geschichte, die langfristig weitergeführt werden soll. Bern will erneut Bären züchten und damit den gesamten Lebenszyklus des Bären in einer artgemässen Umgebung ermöglichen.

Der BärenPark Bern öffnete am 22. Oktober 2009 seine "Tore" und ist mit 1,8 Millionen Besuchen jährlich Touristenmagnet Nummer eins der Stadt Bern. Die heutige Anlage ist ca. 5’000 Quadratmeter gross. Um dem Anspruch "Mehr Platz für weniger Tiere" gerecht zu werden, ist ein Ausbau der bestehenden Anlage am Aarehang vorgesehen. Der BärenPark mitten im UNESCO-Weltkulturerbe von Bern ist damit die moderne Fortführung einer über 500 Jahre alten Tradition von Bären in der Schweizer Hauptstadt. "Bären wurden in Zusammenhang mit Bern erstmals im Jahr 1224 nachgewiesen - mit dem Berner Siegel, einem schwarzen Bären auf weissem Grund", erklärt Stadtpräsident Alec von Graffenried. "Und der Bär gehört einfach zu Bern", so von Graffenried weiter.

Tierpark-Direktor Prof. Bernd Schildger betont mit Nachdruck, wie unabdingbar notwendig es war, den heutigen BärenPark zu bauen, damit die Bären in der Stadt bleiben konnten. Reto Nause, Berner Gemeinderat und Präsident der Tierparkkommission knüpft daran an: "Nirgends in der Welt werden Bären mitten in der Stadt den Menschen so nahe gebracht."

Lebensraum von der Geburt bis zum Lebensende in Bern

Nicht nur der Bär selbst, sondern auch die Bärenzucht hat eine lange Tradition in Bern. Letztmals wurden im Jahr 2009 in Bern Bären gezüchtet und 2010 als junge Bären im BärenPark präsentiert. "Mit 2,4 Millionen Besuchenden war dies auch ein absolutes Rekordjahr", sagt Nause. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Bären beträgt 25 Jahre. Eine Bärin bringt in ihrem Leben rund zwölf Junge zur Welt, pro Wurf in der Regel zwei. "Um Bern zu ermöglichen, Bären über ihren gesamten Lebenszyklus artgemäss zu halten und den Menschen näher zu bringen, sind sechs bis sieben Anlagen notwendig", sagt Prof. Bernd Schildger, Direktor Tierpark Bern und international anerkannter Bärenexperte. Und Schildger ergänzt: "Und damit ein Bär zufrieden ist, muss er sein Repertoire natürlichen Verhaltens ausleben können."

Erweiterung BärenPark und Aussenstation im Gantrisch

Das Ziel sind deshalb sieben Anlagen, welche es ermöglichen, Bären über ihren Lebenszyklus hinweg zu halten. Von der Tierparkkommission bereits beschlossen ist die Erweiterung des heutigen BärenParks auf zwei gleichwertige Anlagen. Im Tierpark Bern stehen mit dem BärenWald im Dählhölzli zwei weitere Anlagen zur Verfügung. Mehr Platz ist in der Stadt Bern allerdings nicht vorhanden. Damit das Ziel von sieben Anlagen erreicht werden kann, wurden im Auftrag des Kantons Bern und im Rahmen einer Projektidee 20 Standorte im Gantrischgebiet evaluiert. Eine Projektgruppe unter der Leitung von Ruedi Flückiger (Präsident GantrischPlus AG)
hat in Zusammenarbeit mit Behörden, Planern, Geologen und dem Bärenexperten Schildger 20 mögliche Standorte evaluiert und auf momentan drei reduziert. Bereits haben die Verantwortlichen auch mit den Vertretern der Standortgemeinden gesprochen. Vorbehalte gab es vor allem im Bereich der Sicherheit. Schildger konnte diese jedoch sehr gut entkräften. Die Vorteile liegen gemäss Schildger auf der Hand: "Der BärenPark in Bern ist heute ein Tourismusmagnet, das wäre auch im Gantrischgebiet so. Alle Beteiligten würden gewinnen, auch der Bär." Grosse Freude am Projekt hat auch Stadtpräsident von Graffenried. Es könnten so wieder junge Bären gezüchtet und dem Publikum präsentiert werden, meint er.

Nach der ersten Evaluation verbleiben nun die drei möglichen Standorte in den Gemeinden Riggisberg, Rüeggisberg und Schwarzenburg. Bis Ende dieses Jahres will die Projektgruppe weitere Abklärungen vornehmen und das Projekt auf einen Standort reduzieren. Geplant sind hier drei voneinander getrennte Anlagen. In einem nächsten Schritt erfolgt der Antrag an den Kanton Bern für die Realisation des Projektes im Gantrischgebiet.

Das Projekt "Erweiterung BärenPark/Bärenzucht"

Der Tierpark Bern verfolgt mit der Projektidee "Erweiterung BärenPark/Bärenzucht" gemeinsam mit der Stadt und dem Kanton Bern das Ziel einer nachhaltigen Bärenzucht in Bern (Stadt und Kanton). Periodisch sollen künftig im BärenPark Jungtiere gezüchtet und erlebt werden können. Weil Jungtiere irgendwann von ihren Eltern getrennt werden müssen, soll mit einem naturnahen BärenPark sichergestellt werden, dass die Bären ihren gesamten Lebenszyklus in Bern (Stadt oder Kanton) durchleben können und nicht mehr ins Ausland gebracht, oder eingeschläfert werden müssen. Nebst den bestehenden vier Anlagen im BärenPark und im Dählhölzli des Tierpark Bern sind dazu zwei bis drei zusätzliche Anlagen erforderlich. Gemeinsam mit der GantrischPlus AG wurde die Idee entwickelt, im Naturpark artgerechte Aussenanlagen mit einem Flächenbedarf von ca. 50'000 m2 zu errichten. Damit sollen die Bären ein würdevolles Leben, der Tierpark Bern periodisch Jungtiere und der Naturpark Gantrisch einen neuen, wertschöpfungsgenerierenden Anziehungspunkt erhalten. Angestrebt werden moderate Besucherzahlen, insbesondere generiert durch angebotene Führungen, eine optimale Wegleitung und ausreichende Infrastrukturen für die Besucherbedürfnisse. Die Grundeigentümer und die lokale Bevölkerung sollen in geeigneter Form in das Konzept eingebunden werden. Auf Initiative des Kantons Bern und mit Unterstützung der Stadt Bern wurde die Idee seit Anfang Jahr in einem Projektteam, bestehend aus Vertretern von GantrischPlus (Projektleitung), Tierpark Bern sowie Fachpersonen aus den Bereichen Raumplanung und Umwelt konkretisiert.