Mehr Platz für weniger Tiere®

Die Flachrückenschildkröte im Dählhölzli

Die Flachrückenschildkröten teilen sich den Lebensraum mit dem Pantherchamäleon

Die Heimat der Flachrückenschildkröte (Pyxis planicauda) liegt in einem Trockenwald in der Menabe-Region an der Westküste Madagaskars, unterhalb von 100 m ü. M.
Der Lebensraum wird dominiert von Bäumen von 12-15 Metern Höhe mit einer dichten Schicht aus Unterholz, so dass am wenig bewachsenen Boden ein schattiges, aber dennoch tropisch heisses und feuchtes Mikroklima herrscht. Die insgesamt rund 800 mm Jahres-Niederschlag fallen von November bis Mai, in diesem Zeitraum sind die Tiere aktiv. Die übrige, durch Trockenheit geprägte Zeit, wenn die Bäume ihre Blätter abwerfen, verbringt die Art vergraben im Humus

Müsste man eine Tierart benennen, anhand derer man exemplarisch den Niedergang aufgrund menschlicher Aktivitäten dokumentieren könnte, Pyxis planicauda böte sich geradezu an: Laut der Internationalen Naturschutzunion zählt die Art zu den zwei weltweit am stärksten bedrohten Schildkrötenarten. Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet, das kleiner ist als der Kanton Bern, findet man die Art auf nur noch 10 % der Fläche, aber auch dieser Anteil schrumpft dramatisch. Die Bevölkerung Madagaskars wächst und dehnt sich aus, oft auf Kosten der noch wenigen intakten Wälder; der Holzhandel blüht. Wo nicht Brandrodung für landwirtschaftliche Kulturen, namentlich für den Zucker-Anbau, die Waldfläche dezimiert, schlagen Erdölfirmen ihre Schneisen, anderswo vernichten domestizierte, freilaufende Schweine die Gelege der Schildkröten.

Je seltener eine Art wird, desto attraktiver wird oft der Handel mit den verbliebenen Individuen, dies leider trotz internationaler Übereinkommen zum Handel mit bedrohten Tierarten. Die Art wird von Privaten und weltweit in nur 19 zoologischen Institutionen gehalten, in Europa sind es gerademal zwei: im Durrell Wildlife Conservation Trust auf Jersey und im Dählhölzl. Ziel der Haltung in Institutionen ist die Vermehrung der Art, was nicht ganz einfach ist, denn ein Gelege besteht aus jeweils einem Ei, dies aber immerhin mehrmals pro Jahr.