Mehr Platz für weniger Tiere®

Auswilderungsprogramm

Von einem Auswilderung sprechen wir dann, wenn Tiere aus menschlicher Obhut in der Natur frei gelassen werden, von einer Wiederansiedlung, wenn Tiere in ihrem urspünglichen Lebensraum ausgewildert werden, nachdem die Art dort zuvor ausgestorben war.

Das Dählhölzli war seit dem Jahr 2000 an mehreren Wiederansiedlungsprojekten in Osteuropa beteiligt, letztmals im Juni 2015. Lesen Sie hier unseren entsprechenden Medientext.

Die Berner Wisente werden in Rumänien in ihr Angewöhnungsgehege entlassen.

Medientext zur Wisent-Auswilderung in Rumänien

Am 9. Juni reisten 4 Wisente (1 Männchen und 3 Weibchen) aus dem Tierpark Bern nach Rumänien. Sie sollen im Rahmen des bislang grössten Wisent-Auswilderungsprojektes Europas in den ‚Tarcu‘-Bergen im Südwesten der Karpaten ausgewildert werden. Damit ist der Tierpark Bern nach 2002, 2005 und 2012 zum vierten Mal an einer Auswilderungsaktion von Wisenten in Osteuropa beteiligt.

Verantwortlich für das Projekt ist die Organsation 'Rewilding Europe', zusammen mit dem WWF Rumänien und der Standort-Gemeinde Armenis.

Bereits 2014 reisten 17 Wisente aus europäischen Zoos in die Region. In einem 160 ha grossen Akklimatisations-Gehege konnten sie sich ein Jahr lang an die lokalen Gegebenheiten angewöhnen – nun wechseln sie in die Wildbahn und überlassen ihr Gehege den 18 neuen Tieren aus 6 Zoos aus Belgien, Deutschland, Frankreich und aus Bern. Jeweils zwei erwachsene Tiere pro Gruppe werden mit Sender-Halsbändern versehen, damit die Raumnutzung der Tiere überwacht werden kann.

Die 17 neuerdings wilden Tiere sind nach über 200 Jahren die ersten Wisente in den Süd-Karpaten, weitere werden ihnen folgen. Die ausgesetzten Tiere werden sich vermehren, so dass im genannten Raum bis 2024 eine Population von 300 Wisenten erwartet wird.

Ein Blick zurück: Noch vor rund 1000 Jahren besiedelten Wisente die Mischwälder Europas vom spanischen Baskenland bis zum Ural im heutigen Russland. Ab dem 12. Jahrhundert wurden sie von Westen nach Osten dezimiert, nicht nur wegen ihres schmackhaften Fleisches, sondern wohl vor allem als Folge der Abholzung ihres Lebensraumes: 1919 wurde der letzte Flachland-Wisent und 1927 der letzte Kaukasus-Wisent erschossen. Dank internationaler Zuchtbemühungen ist es gelungen, aus den verbleibenden Wisenten in menschlicher Obhut, gerade mal 12 Tiere, eine heute wieder rund 4500 grosse Wisent-Population aufzubauen. Der Wisent ist damit eine der Tierarten, deren Überleben den Zoos und Wildparks zu verdanken ist. Ersten Wiederansiedlungen im Grenzgebiet von Polen und Weissrussland ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts folgten 2002 Wiederansiedlungen in Russland, Polen der Slowakei und im Südosten Rumäniens.

Mit dem Wisent kehrt nicht irgendein Wildtier in die Süd-Karpaten zurück: Der Wisent hat für Rumänien wie für andere Staaten Osteuropas einen hohen symbolischen, durch Mythen und Geschichten begründeten Wert. Gleichzeitig erhoffen sich die verantwortlichen Institutionen ein Signal für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der betroffenen Regionen und Waldgebiete. Darum wohl auch die Unterstützung durch die lokalen Gemeinden, durch Jagdverbände und Tourismus-Organisationen.

Der Tierpark Bern ist glücklich, dass Tiere aus dem WisentWald von Bern immer wieder in die grosse weite Welt ziehen können. Ein herzlicher Dank geht darum auch an die Tierpatinnen und –Paten des Tierparks Bern: Dank ihrer Unterstützung ist es uns möglich, neben den Tieren auch einen Beitrag an die hohen Transportkosten zu leisten.